TikTok – eine Kurzhilfe für Eltern

06.03.2020

TikTok?

TikTok ist ein soziales Netzwerk aus China mit Fokus auf Erstellen, Bearbeiten, Kommentieren und Liken von kurzen Videos. Beliebt sind sogenannte «LipSync-Videos». Dabei geht es darum, dass zu Lieblingssongs, Szenen aus Serien und Filme eine Performance gezeigt und dazu oftmals auch Playback gesungen oder gesprochen wird.

Auch angesagt sind Videos aus dem Alltag der User*innen. Zum Beispiel einen Rückwärtssalto vom Auto des Nachbars springen, der Mutter einen Streich spielen oder sich den Bauch tätowieren lassen. Mit „Hashtags“ lassen sich die erstellten Videos zu bestimmten Kategorien zuordnen. Diese dienen als Suchfunktion und zeigen einem an, welche weiteren Videos sich hinter einem Hashtag befinden. Zum Beispiel #eggchallenge, #fitness oder #swisscomedy. Die erstellten Videos lassen sich auch in anderen sozialen Netzwerken ganz einfach teilen.

Die App

Nach dem Download der TikTok-App und ohne persönliche Registrierung ist die gesamte TikTok Welt uneingeschränkt sicht- und erlebbar.

Die Kurzvideos (15 bis 60 Sekunden) lassen sich mit den vielen Filter und Effekte kreativ bearbeiten und die Bedienung der App ist sehr einfach.

Empfehlung: Ist Ihr Kind sehr an TikTok interessiert? Nutzen viele Freunde Ihres Kindes bereits TikTok? Erkunden Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die TikTok Welt. Besprechen Sie die Videos der anderen. So lernen Sie die App kennen und Ihr Kind wird mit Ihnen medienkompetenter.

Ab welchem Alter?

Offiziell kann TikTok ab 18 Jahren genutzt werden — mit dem Einverständnis der Eltern bereits ab 13 Jahren.

Empfehlung: Richten Sie sich nach den Nutzungsbedingungen und installieren Sie TikTok erst auf dem Gerät der Jugendlichen, wenn sie 13 Jahre alt sind.

«Swipen»

Wird die App gestartet, laufen die Videos permanent in Endlosschleife. Mit einem einfachen «swipe up» wird sofort das nächste Video abgespielt. «Swipe up» bedeutet mit dem Daumen über den Bildschirm nach oben wischen. Das verführt schnell einmal dazu, dass man nicht mehr aufhören kann zu «swipen», weil vielleicht gerade das nächste Video unbedingt sehenswert ist.

Empfehlung: Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind konkrete Nutzungszeiten und halten Sie diese in einem Mediennutzungsvertrag fest. 

Nutzung mit Account

Ist TikTok einmal auf dem Gerät installiert, kann ohne gültige Emailadresse und mit falschen persönlichen Angaben problemlos ein Account eröffnen werden. Das ermöglicht gleich eigene Videos zu posten. Wird die Emailadresse oder das Passwort vergessen, gibt es keine Möglichkeit mehr die eigenen Videos zu löschen. Sie bleiben so unlöschbar im Netz, auch die Unvorteilhaften.

Empfehlung: Eröffnen Sie Accounts von sozialen Netzwerken immer gemeinsam mit Ihrem Kind. Achten Sie darauf dass die Accounts „privat“ sind. Nutzen Sie dazu gültige Emailadressen und helfen Sie Ihrem Kind dabei sichere Passwörter zu verwenden und diese nicht zu vergessen.

So stellen Sie ein TikTok Account auf «privat»:


  1. drücken Sie auf das Profil
  2. drücken Sie auf die drei Punkte oben rechts
  3. wählen Sie Privatsphäre und Sicherheit
  4. stellen Sie den Regler auf „Privates Konto“

 

Warum TikTok?

Die Selbstinszenierung steht bei den meisten Videos im Vordergrund. Möglichst viele «Likes», «Views» und positive Kommentare sammeln ist bei dieser App ein sehr wichtiges Thema. Diese Bühne der Selbstdarstellung wird von Kindern und Jugendlichen «kreativ» genutzt. Es wird nachgeahmt, experimentiert, übertrumpft, …

Empfehlung: Installieren Sie mit Ihrem Kind andere Videotools, (1) um «kreative» Videos herzustellen. Lassen Sie sich auf jeden Fall Videos vor einer Veröffentlichung zeigen.

«Hashtag Challenges»

Die sogenannten «Hashtag Challenges» motivieren zum Mitmachen.
Diese werden von TikTok oder aber auch von den User*innen selbst erstellt.

Hier ein paar Beispiele:

#100Challenge – Ein vorgefertigter Filter zeigt dir im Selfie-Modus an, (in Prozent von 1-100) wie stark du lachst.

#15sekundenmakeup – «Schmeiss den Zeitraffer an und zeig uns in 15 Sekunden, wie du dein Make-Up machst!» So die Aufgabe dieser Challenge.

#danceAwesome – Werbe Challenge von Samsung mit extremer Verbreitung.

 

Boris Radanovic (vom UK Safer Internet Center) beschreibt in einem Interview, dass man diese Challenges heute mitmachen muss um beliebt zu sein und dazu zu gehören. Es ist völlig normal, dass man das beliebteste Kind in seiner Klasse, gar der ganzen Schule sein will. Aber heute treten Kinder und Jugendliche gegen die ganze Welt an. Dabei zeigen Influencer manchmal ein Verhalten das nicht im geringsten für Kinder- und Jugendliche geeignet ist. Dieses Verhalten wird, so will es die Challenge, trotzdem nachgeahmt.

Empfehlung: Diskutieren Sie mit Ihrem Kind darüber, welche Challenges man mitmachen sollte und bei welchen besser nicht.

Live streamen

Influencer*innen mit vielen Follower können «Live Gehen» und so direkt mit ihren Fans in Kontakt treten. Während eines Live Stream kann man den Influencer*innen kleine Geschenke «Gifts» übergeben. Diese werden zuvor per In-App-Käufe gekauft. Als Gegenleistung bieten einem die Influencer*innen Dinge an wie «zurück zu folgen» oder sogar den Benutzernamen auf eine Wandtafel zu schreiben. So wird TikTok unter Umständen zu einer Kostenfalle.

Empfehlung: Diskutieren Sie mit Ihrem Kind über das Thema «In-App-Käufe».

Cyberbullying

Ist ein unvorteilhaftes Video einmal veröffentlicht kann es vorkommen, dass Ihr Kind damit belästigt oder beleidigt wird.

Empfehlung: Dokumentieren Sie einen solchen Vorfall mit Hilfe von Bildschirmfotos und holen Sie sich Hilfe. ROJA ist eine der Anlaufstellen für solche Fragen.

Urheberrecht

Photo by Amanda Vick on Unsplash

TikTok bietet eine Vielzahl von Musik an, die zur Vertonung der Videos genutzt werden kann. Die Nutzungslizenz ist aber ausschliesslich dazu gedacht, die Videos bei TikTok zu veröffentlichen. Wird das Video an einem anderen Ort veröffentlicht, verletzt dies das Urheberrecht. Dasselbe gilt auch für Bilder, Musik und Videos die aus dem Internet heruntergeladen und in eigene Videos bei TikTok eingebaut werden.

Empfehlung: Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Urheberrecht und was TikTok mit den veröffentlichten Videos alles machen darf. Eine gute Zusammenfassung der Urheberrechte von TikTok finden Sie hier.

 

(1) Videotools um «kreative» Videos herzustellen

IOS:

Videoshop – Video Editor

FilmoraGo-Video Editor & Maker

 

Android:

Videoshop – Video Editor

FilmoraGo-Video Editor & Maker

* Pflichtfeld

Anmeldung bitte bis am 21. August 2020