Wenn die Langeweile kommt…

Wer kennt es nicht, das Gefühl von Langeweile? Schulferien, freie Nachmittage oder auch die aktuelle Situation der Corona-Krise, bringen freie, ungeplante Zeit und somit auch Langeweile mit sich. Obwohl die Langeweile oft als unangenehm empfunden wird, ist sie etwas sehr wichtiges in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

„Wenn Kinder und Jugendliche mit sich nichts anzufangen wissen, dann liegt ein Grund darin, dass sie sich bisher noch nicht genug gelangweilt haben“, so Linda Caldwell, von der Universität Maryland.

Was im ersten Moment absurd klingt, leuchtet bei genauerer Betrachtung ein. Denn der Alltag bzw. die Freizeit vieler Kinder und Jugendlichen ist inzwischen enorm verplant und durchstrukturiert, es gibt kaum mehr «Leerläufe». Dazu kommt das Phänomen, dass viele Eltern den Drang haben, ihre Kinder beim geringsten Anzeichen von Langeweile, zu unterhalten. Den Kindern und Jugendlichen wird so jede Möglichkeit genommen, zu lernen, eigenständig mit der freien Zeit umzugehen, eigene Interessen wahrzunehmen und diesen nachzugehen. So kommt es, dass für viele die Langeweile zu einem kaum oder nicht lange zu ertragenden Gefühl wird. Kinder und Jugendliche sollen überhaupt erst einmal ein Bewusstsein für die eigene Langeweile entwickeln, persönliche Interessen entdecken und diese aktiv verfolgen. Dies ist ein anspruchsvoller, aber sehr wichtiger Prozess. Daher ist es wichtig, die Freizeit der Kinder und Jugendlichen nicht zu verplanen. Ein pausenloses Angebot kann überfordern und dazu führen, dass keinen eigener Umgang mit freier Zeit entwickelt wird.

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Sich zu langweilen, kann sich positiv auswirken! Der Zustand der Langeweile bringt uns dazu, über das eigene Leben nachzudenken, neue Ideen zu entwickeln, die wiederum zu neuen und wichtigen Erfahrungen führen können. Der Leerlauf im Kopf, macht Menschen kreativ und phantasievoll. Die Kreativität führt nicht selten dazu, dass Menschen mit ihrem Leben wieder zufriedener sind. Statt dauernd nach Ablenkung zu suchen, sollten Kinder und Jugendliche die Gelegenheit haben, sich der Langeweile zu stellen. Die Langeweile soll ausgehalten werden, um die eigenen wirklichen Bedürfnisse und Interessen zu erkennen.

Die Psychologin Sandi Mann beschreibt, dass das Gehirn während der Langeweile in den «default mode» (Ruhestand Modus) übergeht. Während man monotonen Alltagsaufgaben nachgeht, wie bspw. Wäscheaufhängen, verfällt man schnell einmal in Tagträumerei. Die Gedanken wandern, das Gehirn beginnt das Unbewusste zu erforschen. Genau dann kann Kreativität entstehen.

Den Umgang mit Langeweile sollte man den Kindern nicht vorenthalten. Angebote wie gamen, Serien schauen, neue Spielsachen kaufen etc. sollten nicht aktiv gefördert werden, nur damit dem eigenen Kind nicht langweilig wird. Denn dadurch erlernen Kinder und Jugendliche eine passive Konsumhaltung und entdecken so vielleicht nie, dass man selbst der/die beste Entertainer*in ist und dass die eigene Fantasie eine wunderbare und auszuschöpfende Quelle von Anregungen und Inspiration ist. «Mir ist langweillig, darf ich das Tablet?», digitale Medien sind ein wichtiger Lebensbestandteil von Kindern und Jugendlichen geworden. Sie sollten jedoch nicht zur Überbrückung von Langeweile eingesetzt werden.

Wie bei allem im Leben, kommt es auch bei der Langeweile auf das richtige Mass an. Zu häufiges und massives Langweilen kann sich auch negativ auf die Entwicklung auswirken. Wichtig ist, dass man dies als Warnhinweis betrachtet und sich die Frage stellt, was im eigenen Leben gerade nicht stimmt und wie dies verändert werden könnte. Achtsam und reflektiert gegenüber der Langeweile zu sein ist daher wichtig.

Wie geht ihr Kind mit Langeweile um? Wann und wie oft ist ihrem Kind langweilig? Sprechen Sie mit ihrem Kind über den Umgang damit. Vermitteln Sie ihm, dass man sich davor nicht fürchten muss, dass es völlig normal und wichtig ist, Langeweile zu haben.

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von Annie Spratt auf Unsplash